Neu macht nicht immer glücklich

Gewährleistung und Garantie sind keine sicheren Häfen.

Die Freude war groß. Endlich war das neue Schiff geliefert. Frisch poliert, neue Segel, der Eigner stolz, die Nachbarn neidisch, die Familie glücklich. Leinen los.

Doch nach ein paar Monaten zeigen sich die ersten Mängel. Relingstützen wackeln, kleine Risse im Deck, das Teakdeck löst sich hier und da und der Warmwasserboiler produziert braunes Wasser. Kein Problem denkt unser frisch gebackener Eigner und bittet den Händler sich um die Mängel zu kümmern. Von Industrieprodukten wie seinem Auto ist er es gewohnt, dass Händler sich um Gewährleistungsmängel kümmern.

Doch leider ticken manche Werften immer noch anders. Sie delegieren Gewährleistungsarbeiten auf die Händler. Deren Budget und Interesse ist meist begrenzt. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Nicht selten ist, dass Händler Gewährleistungsarbeiten ablehnen. „Die Yacht war doch so günstig und ich habe Ihnen noch Rabatt gegeben“ argumentiert der Händler und meint die „Bagatellen“ nicht reparieren zu müssen. So geht es hin und her und die Gewährleistungszeit nähert sich dem Ende.

Der gut beratene Eigner wird jetzt zu einem relativ einfachen Rechtsmittel greifen, dem sogenannten selbständigen Beweisverfahren.

Er bittet seinen Anwalt, die Mängel in einem Antrag an das zuständige Zivilgericht zusammenzufassen und das Gericht aufzufordern einen Gutachter zu bestellen. Ein Anwalt mit Erfahrung in der Branche wird dem Gericht auch gleich geeignete vereidigte Sachverständige vorschlagen.

Dies ist noch kein Klageverfahren sondern dient der Aufklärung des Sachverhaltes. Ob geklagt werden muss kann nach dem Vorliegen des Gutachtens entschieden werden.

Daneben gibt es zwei wesentliche Vorteile gegenüber jedem anderen Weg:

  • Durch das Beweisverfahren wird die Verjährung der Gewährleistungsfrist unterbrochen.
  • Der Gutachter ist vom Gericht bestellt, also unparteiisch.

Im Ergebnis wird dann schriftlich festgehalten, welche Mängel tatsächlich bestehen, wie diese zu beseitigen sind und was es kostet. Wenn dieses Ergebnis vorliegt können die Parteien entscheiden, ob sie weiter streiten wollen, oder ob die nun gerichtlich festgestellten Mängel nicht doch besser noch schnell beseitigt werden.

Werden die Mängel nicht beseitigt und sind entsprechende Aufforderungen mit Fristsetzung ohne Reaktion des Händlers geblieben, kann ein anderes Unternehmen mit der Reparatur beauftragt werden. Die Kosten sind dann vom Händler zu tragen.

Sachkundige und erfahrene Händler werden versuchen solche Situationen zu vermeiden. Kunden sind häufig rechtsschutzversichert und können deshalb erhebliche Kostenrisiken auslösen. Werden die Mängel dann fachlich festgestellt, so bleiben die Verfahrenskosten beim Händler hängen. Für solche Rechtsstreitigkeiten gibt es auf Seiten des Händlers keine Rechtsschutzversicherung. Der Händler, der diese Situation kennt, wird versuchen auch kritische Kunden möglichst schnell zufrieden zu stellen.

Der Kunde ist gut beraten, auf den Ablauf der Gewährleistungszeit zu achten. Diese beginnt mit der Übergabe, die möglichst in einem Protokoll dokumentiert werden sollte. Sie beträgt in nahezu allen Ländern der Europäischen Union zwei Jahre für Neuprodukte und kann für gebrauchte Waren auf ein Jahr herabgesetzt werden. Nur bei dem Handel zwischen Verbrauchern kann die Gewährleistung durch Vertrag ganz ausgeschlossen werden.

Manche Werften gewähren neben der gesetzlichen Gewährleistung eine weitergehende Garantie. Das ist ein vertragliches „Extra“ das die Werften freiwillig gewähren. Zum Beispiel garantieren sie die Festigkeit der Struktur oder die Osmosefreiheit für fünf Jahre. Die Gültigkeit ist aber oft an die Einhaltung von bestimmten Wartungen gebunden. Zum Ablauf der Frist und zur Feststellung eines Garantie-Mangels gelten dann die gleichen Regeln wie bei der Gewährleistung.