Protest… Jury… Gericht…? Mediation in der Sportschifffahrt ist in.

Man glaubt es kaum: seit drei Jahren ist die Zahl von Klagen und Anträgen an die Gerichte in Deutschland rückläufig. Das heißt, immer weniger Bürger tragen ihre Konflikte vor Gericht aus. Sind nun alle plötzlich harmoniesüchtig geworden oder sind die Erfahrungen mit den Gerichten so schlecht?

Einen wesentlichen Beitrag zum Rückgang der Gerichtsverfahren haben verschiedene Systeme der außergerichtlichen Streitbeilegung verursacht: Privat organisierte Güterichter, Schiedsgerichte und Mediation sind „in“. Nachbarstreitigkeiten werden vor dem „Ombudsmann“ als Güterichter nach schwedischem Vorbild ausgetragen. Verbände richten Schiedsstellen ein und geben sich Schiedsordnungen. Doch der Renner ist Mediation. In Anwesenheit der Parteien übernimmt ein neutraler Mediator die Moderation. Er führt die Parteien strukturiert von einer Themensammlung über die Interessenklärung zur Konfliktlösung. Wichtig ist: der Mediator führt nur – die Parteien finden Ihre Lösung selbst!

Doch was hat das mit dem Segelsport zu tun?

Ein Beispiel: Manchmal beginnt es mit einer kleinen Kollision auf einer Regatta. Das führt zur Jury, deren Entscheidung regelt aber nicht Geld und Schadenersatz, also geht es weiter zur Versicherung, zum Sachverständigen, vor Gericht. Am Ende sind die Segelfreunde für immer zerstritten. Das muss nicht sein:

Was zunächst nur als Ideal-Verfahren für Familien-Konflikte galt ist nun in zahlreichen anderen Lebensbereichen angekommen. Jetzt ist Mediation auch ein Thema in der Sportschifffahrt..

Gerade ging durch die Presse, dass ein lang anhaltender Streit zwischen Hersteller, Händler und Werft über ein maritimes Produkt erfolgreich beigelegt wurde. Im besten Fall entstehen die beliebten Win-win-Situationen, zum Beispiel der Gegner muss nicht zahlen, sondern liefert stattdessen zu Super-Sonderkonditionen weiter. Ein gutes Gefühl, wenn am Ende alle gewonnen haben. Solche Ergebnisse sind dabei noch viel belastbarer als streitige Entscheidungen, bei denen den Parteien Termine, Fristen und Urteile von Außen aufgezwängt werden. Die unter Anleitung eines erfahrenen Mediators von den Parteien selbstgefundene Lösung hat dauernden Bestand und kreiert hohe Zufriedenheit.

Mediation ist nach Kollisionen im Wassersport, in Segelvereinen, zwischen Mitgliedern, im Motoryachtclub, im Vorstand, zwischen Charterer und Vercharterer denkbar. Der große Vorteil von Mediation ist: Mediationsverfahren sind freiwillig, vertraulich und kreativ–ergebnisoffen.

Auch die Regattaveranstalter haben die Streitbeilegung außerhalb von Jury-Verfahren entdeckt. Besonders bei professionellen Veranstaltungen wie der Kieler Woche kann eine hohe Zahl von Protesten durch ein mediationsähnliches Verfahren (Arbitration) aufgefangen werden.

Dem Mediator wird seine anstrengende Arbeit oft mit großem Lob bezahlt. „Ohne Sie hätten wir das nie geschafft“ schrieb ein Charterer an den Mediator. Oder der Kommentar einer Werft: „Wir reden jetzt ganz anders miteinander, haben die gegenseitige Wertschätzung wiedergefunden!“