Repariert und dann besser als neu – Merkantiler Minderwert bei Sportbooten

Es hatte heftig geknallt als die beiden Yachten zusammenstießen. Yacht „X“ war eindeutig unschuldig. Abends an Land war es das Gesprächsthema Nummer eins. Schaulustige, Mitleidvolle, Schlauredner fanden sich auf dem Steg ein und konnten an Kommentaren nicht sparen. „Das kriegt man nie wieder so hin wie vorher, war die einhellige Meinung“. Der Eigner der „X“ hörte geduldig zu.

Einige Wochen später war alles wieder repariert. Die Werft hatte sich große Mühe gegeben und keinen Aufwand gescheut. Das Schiff war wirklich „besser als neu“ geworden. Die Spannten etwas dicker und kleine Farbunterschiede waren als Schönheitsfehler zurückgeblieben. Die Versicherung des Unfallgegners hatte alles ordnungsgemäß reguliert, fast alles.

Der betroffene Eigner der „X“ forderte etwas, was in der Fachsprache merkantiler Minderwert heißt. In vielen Bereichen ist diese Position des Schadensersatzes anerkannt, nur im Bereich des Yachtsportes ist sie ein Stiefkind. Mit dem merkantilen Minderwert soll das subjektive Element aufgefangen werden, das nach technisch einwandfreier Reparatur als Nachteil verbleibt. Mit anderen Worten: auch ein super repariertes Schiff hat am Gebrauchtboot-Markt Nachteile. Der Eigner so eines Schiffes wird nicht den Kaufpreis erzielen, wie für ein unfallfreies Schiff.

Zur Klarstellung: Gemeint ist nicht der bleibende sichtbare Mangel nach einer Reparatur, z.B. Farbunterschiede. Das wird zum technischen Minderwert gezählt.

Es geht bei dem merkantilen Minderwert darum, das psychologische Moment der geringeren Wertschätzung aufzufangen. Doch selbst in einer Branche in der man Routinen erwarten könnte, wie zum Beispiel bei der Regulierung von PKW-Unfällen gibt es keine festen Schemata. Einige Versuche feste Berechnungsmethoden einzuführen sind immer wieder durch außergewöhnliche Fälle ausgehebelt worden. So ist zum Beispiel bei einem Liebhaber-Fahrzeug und bei Oldtimern, für die ein kleiner Markt und hohe Nachfrage besteht, der merkantile Minderwert zu vernachlässigen. Andererseits wird ihm hohe Bedeutung bei reinen Serienprodukten zukommen, denn der Gebrauchtbootmarkt bietet genügend intakte Objekte an, so dass nur über einen Nachlass ein marktgerechter Preis erzielt werden kann. Da es sich um eine auf subjektiven Empfindungen beruhende Werteinschätzung handelt, ist die Rechtsprechung und die Handhabung bei den Sachverständigen sehr unterschiedlich, meist sehr zurückhaltend. Analogien zu den Berechnungen bei PKWs ziehen bei den Yachten nicht. Eine Yacht mit einer ausgetauschten Maschine wird immer als wertvoller angesehen werden als mit dem alten Original-Motor. Der PKW-Käufer denkt da anders.

Manche Sachverständige versuchen den Minderwert pauschal mit 15% des Reparaturpreises andere mit 5% des Zeitwertes aufzufangen. Schnell finden sich Beispiele, die diese Formeln absurd erscheinen lassen. Hier ist noch viel Analyse, Diskussion und Rechtsfortbildung gefragt.