Beiträge

Saisonende aus Sicht des Anwalts

Da hängt das Schiff im Kran und symbolisiert knallhart das Saisonende, tropfend und mit Unterwasserbewuchs. Der Hafenmeister bedient den Kran, der Winterlagerbetrieb ist mit dem Transportwagen da, der Eigner hält die Vorleine. Ob einer von denen wohl an Jura denkt?

Ein Richter kommt auf seinem Spaziergang vorbei und fragt sich: Wer ist denn hier für was verantwortlich? Gute Frage!

Die beste Empfehlung an den Eigner aus juristischer Sicht: Halten Sie sich zurück! Lassen Sie die Profis machen. Machen Sie allenfalls mit und folgen Sie den Anweisungen der Profis. Wenn das Boot schief auf dem Wagen steht können Sie immer noch meckern.

Der Kranvorgang ist unter Regie des Kranbetreibers. Er trägt die Verantwortung und haftet, wenn das Boot aus dem Geschirr fällt. Er wird eine Kranhaftpflichtversicherung besitzen, die Schäden am Schiff durch den Kranvorgang regulieren muss. Wenn der Eigner die Regie übernimmt, sein Krangeschirr benutzt und sagt wo es angeschlagen werden soll, dann kann er den Kranbetreiber und seine Versicherung kaum in Haftung nehmen. Hoffentlich ist seine Yacht im Schadenfall dann kaskoversichert. Doch eine Kaskoversicherung leistet nicht genauso, wie die Haftpflichtversicherung eines Dritten. Der Leistungsumfang ist verschieden. Haftpflicht bedeutet wiederherstellen des Zustands wie vor dem Unfall, Ausgleich aller Nachteile die durch den Schaden verursacht sind. Die Juristen nennen das „Naturalrestitution“.

Anders bei der Kaskoversicherung: Die bezahlt was im Versicherungsvertrag mit dem Eigner vereinbart ist. Die Reparatur, bei Totalschaden sogar das ganze Schiff (Versicherungssumme), aber zieht eine Selbstbeteiligung ab, stuft ihre Prämie herauf und zahlt keine Nebenschäden (z.B. Ihre Reisekosten), keinen Nutzungsersatz und keine Wertminderung.

Zurück zum Kranvorgang: Ihr Boot ist trotz der Horrorszenarien, die dem Richter vielleicht gerade durch den Kopf gingen, gut an Land und über dem Trailer angekommen. Der Hafenmeister fiert das Geschirr, das Boot sinkt in die Lager des Trailers. Der Kran schwenkt weg.

Und was wenn jetzt eine Runge nachgibt? Ich soll aufhören mit den Worst-Case-Szenarien? Aber das Boot ist doch noch lange nicht im Winterlager! Gut, das mit dem Transport ist auch nicht so spannend, weil völlig analog zum Kran. Wenn der Spediteur haften muss, wird er eine Frachtversicherung haben, wenn nicht: Ihre Kasko, siehe oben.

Nun sind wir in der Winterlagerhalle angekommen: Die meisten Mietverträge für Winterlager drinnen wie draußen sind so formuliert, dass der Eigner nur einen Platz mietet, der Betreiber der Halle also keine Verwahrung schuldet. Die Devise kann da nur sein: Schützen Sie sich selbst! Bauen Sie den schönen neuen Faltpropeller / die Doppelschraube ab, ziehen Sie immer den Stecker heraus, schließen Sie die Leiter an! Denken Sie an Brandgefahren. Das neueste Risiko: Elektromotorboote oder andere große Batteriegruppen. Bitte nicht (zu viel, unbeobachtet) laden! Die brennen im Zweifel wie verrückt und keine normale Feuerwehr ist dafür ausgerüstet. Da bei Bränden in Winterlagern oft die Ursache, aber meist nicht der Verantwortliche gefunden werden kann, geht der Blick schon wieder gen Sportboot-Kasko-Versicherung. Eingeschränkter Umfang: s.o.

Wenn es Ihnen in dem Winterlager nicht gefällt schauen Sie rechtzeitig mal in den Mietvertrag für den Lagerplatz. Die meisten Verträge beinhalten Fortsetzungsklauseln. Sie müssen im Sommer kündigen, wenn sie nicht automatisch für das nächste Winterhalbjahr eingebucht sein wollen.

Das alles wird natürlich rechtlich und praktisch viel einfacher, wenn man sich einen Komplettservice leistet. Man bringt das Schiff an die Pier und vereinbart mit dem Werftbetrieb: „Hier ist mein Schiff und die Schlüssel, so (oder besser) hätte ich es gern im April zurück“. Da ist die Verantwortung voll beim Werftbetrieb, nicht nur für Schrammen, auch für das Zubehör und Frostgefahren …

Wenn die Werft nicht haftet, weil sie z.B. wegen der ganzen Mängel und Auflagen insolvent wird… Sie wissen schon: Ihre Kasko.

So, nun genug der Horrorszenarien! Kommen Sie gut über den Winter! Bis bald!