Vertrackte Verträge

sailingjournal313Den Käufer für das Gebrauchtboot zu finden ist nicht alles.

Zweimal hatte Paul seine Preisvorstellung für sein schönes Gebrauchtboot schon nach unten korrigiert. Jetzt hatte er endlich einen ernsthaften Interessenten gefunden. Doch dem Käufer war es immer noch nicht billig genug. Hier ein Kratzer, da ein nicht funktionierendes Instrument, dort ein Vergleichsangebot zum Schleuderpreis. Paul muss schließlich nochmal im Preis nachgeben. Schon lange ist er unter seiner Schmerzgrenze. Paul ist es leid und will das Thema Bootsverkauf endlich abschließen und vergessen.

Einzige Bedingung die Paul noch durchsetzen kann: Der Käufer übernimmt das Boot wie es „steht und liegt“. Das soll der Käufer ihm unterschreiben!

Irgendwo im internet findet Paul ein Formular für einen Kaufvertrag und fummelt ihn für seine Zwecke um. Beide unterschreiben und das Boot wechselt den Besitzer.

Einige Wochen später –Paul hat sein altes Boot schon fast vergessen- klingelt das Telefon. Sein Käufer meldet sich. Angeblich lecke das Vorluk und im Unterwasserbereich gäbe es „komische Pickel“ (Osmose?). Paul meint, damit habe er nichts zu tun, schließlich habe man sich doch auf einen Gewährleistungsausschluß vertraglich geeinigt. Nervös kramt Paul den Vertrag heraus, liest ihn nochmal und nochmal. Den Satz: „übernehme alles im gegenwärtigen Zustand unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“ fehlt in seinem Formulartext! Bei seiner Bastelei am internet-Formular hat er ihn wohl gelöscht! Das wird teuer!

Ein Anruf bei dem bekannten Wassersport-Anwalt bestätigt seine schlimmsten Befürchtungen: Nach § 437 BGB haftet der Verkäufer einer gebrauchten Sache zwei Jahre lang für Mängel. Als Verbraucher hätte er die Mängelgewährleistung ausschließen können, Unternehmer können sie nur auf ein Jahr beschränken.

Paul beteuert die mündlich Absprache zwischen den Parteien , doch es nützt nichts. Die spätere schriftliche Vereinbarung geht vor. „ Da können Sie nur mit viel Charme und Freundlichkeit nachverhandeln“ empfiehlt der Anwalt. Paul bittet den Anwalt das für ihn zu erledigen. Er will das Boot endlich vergessen.

So schützen Sie sich vor Überraschungen beim Kauf/Verkauf von Gebrauchtbooten:

Benutzen Sie erprobte Formulare wie Sie sie beispielsweise bei

www.yacht.de

www.pantaenius.de

finden. Besonders gefällt uns die deutsch/englische Version bei www.dbsv.de. Sie können dieses Formular auch über uns beziehen. Sprechen Sie uns einfach an.

Das sollte der Kaufvertrag mindestens enthalten:

– vollständige Namen mit Vornamen, Kontaktdaten beider Parteien

– genaue Bezeichnung des Bootes, Segelnummer, Motornummer etc

– genaue Spezifikation, detaillierte Zubehörliste

– Eigentumsvorbehalt bis zur vollen Bezahlung

– Gewährleistungsausschluß/ -beschränkung

– Aussage, ob und wann Umsatzsteuer bezahlt wurde mit Nachweis

– Regelung zur Übergabe (Gefahrübergang=Versicherungspflicht)

Vor ungesicherten Vorauszahlungen soll hier nochmals gewarnt werden:

Besser ist die Abwicklung über ein Treuhandkonto eines Rechtsanwalts oder Notars. Die geringen Mehrkosten rechnen sich in jedem Fall. Das gesamte Geld wird dort hinterlegt und der Verkäufer bekommt es mit Vorlage der Übergabequittung ausgezahlt.